Webring: Blogs von Juden in Deutschland
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Zum Tod von Rabbiner Leo Trepp z'l'
In diesem Blog habe ich gelegentlich auf Rabbiner Leo Trepp hingewiesen, besonders wenn er einen Vortrag in der jüdischen Volkshochschule hielt. Er war der letzte noch lebende Rabbiner des deutschen Vorkriegsjudentums. Letzte Nacht ist er in Kalifornien verstorben. Die Einweihung der Synagoge in seiner Heimatstadt Mainz, die gestern stattfand, hat er leider nicht mehr miterlebt.
Igal Avidan hat ihn vor einiger Zeit in der taz porträtiert unter dem Titel: Der Mann, der Generationen verbindet
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Jerusalem am Rhein - auf den Spuren einer Weltkultur
Mit dem Hinweis auf eine Dokumentation, die etwas außerhalb des Themenspektrums dieses Blogs liegt, melde ich mich in jüdischBloggersdorf zurück
Um 0.30 h zu nachtschlafender Zeit strahlt das ZDF einen Beitrag über Mainz, Worms und Speyer aus. Sie gelten als das Jerusalem am Rhein. Die Metropolen am Rhein Mainz, Worms und Speyer hatten im Mittelalter die wichtigsten Talmudschulen des Abendlandes. Sie waren das Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit und später ähnlich bedeutsam wie Jerusalem
Bei Juden in aller Welt sind sie als Schum-Städte bekannt. Ein Begriff, den die in diesen Städten lebenden jüdischen Gelehrten aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz bildeten: Schpira, Warmaisa (V und W sind im Hebräischen dem U gleich) und Magenza. Bis heute prägen die vor tausend Jahren von Schum-Gelehrten verfassten Verordnungen, Gebete und Klagelieder das europäische Judentum. Ein Weltkulturerbe, das auf die Anerkennung durch die UNESCO wartet.
Mehr dazu hier.
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Sex am Sabbat - moderne jüdische Witze
... heißt ein soeben erschienenes Buch von Ilan Weiss, dem rührigen Organisator des israelischen Stammtisches und der Netzwerke "Israelis in Berlin" und "Israelis in Deutschland".
Das Buch erscheint - laut Presse-Erkrlärung - punktlich zum Holocaust-Gedenktag am 11.4. Das muß einem auch erst einmal einfallen.
Hier der vollständige Pressetext:
Pünktlich zum Holocaust-Gedenktag am 11.04. erscheint eine lebhaftes Buch, das vom Überlebenswillens der jüdischen Bevölkerung zeugt, die auch mit Humor ihr Trauma verarbeiten konnte.
„Jüdischer Humor war und ist die schönste Waffe einer Minderheit, denn Humor tötet nicht“, schrieb Paul Spiegel einst. Und tatsächlich lacht hier Gott offenbar mit seinen Geschöpfen und nicht über sie – eine wichtige Voraussetzung für den jüdischen Humor in seiner Gänze. Mit Spott, Ironie, einer Portion schwarzen Humors und bissiger Kritik, nicht selten sich selbst charakterisierend, ist er fast immer eine Verteidigung der Menschlichkeit gegen jede Ideologie, Gewalt und Engstirnigkeit.
Ilan Weiss sagt dazu: „Lachen, war in meiner Kindheit populärer als Popmusik und ergänzt „das Lachen kann die Weinenden nicht umstimmen, jedoch ein paar Tränen wischen“.
Und tatsächlich ermöglichen die von ihm gesammelten Witze das Besteigen der Berge, vor denen man im Leben nicht nur ein Mal steht, deutlich leichter. Seine Witze versüßen nicht das Leben, sie beschreiben es: präzise und scharfsinnig in zwei, drei Sätzen, wie kein Roman es besser könnte. Oiwawoi!
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Antijudaismus in der Osteransprache (Urbi et Orbi) des Papstes
Mich wundert es, daß noch nichts in den Medien darüber kam. Durch das antjudaismusfrei-Blog bin ich darauf aufmerksam geworden. Jedes Jahr am Ostersonntagvormittag wird vom Petersplatz in Rom der Segen des Papstes (Urbi et Orbi) in alle Welt übertragen. Man kennt das aus den Nachrichten, wenn dann am Schluß die Osterwünsche des Papstes in allen möglichen Sprachen erklingen.
Am Beginn seiner diesjährigen Osteransprache ging er auf die Exoduserfahrung "der Hebräer" ein. Nach einer längeren Zwischenpassage hieß es dann:
... die Kirche ist das Volk des Auszugs, das Volk des Exodus, da sie ständig das Ostergeheimnis lebt ... Das ist Substitutionstheologie pur, von der es eigentlich hieß, die Kirche habe sie überwunden. Damit ist gemeint, daß die Kirche jahrhundertelang - und offensichtlich wieder - für sich in Anspruch nahm (und nimmt?), daß sie das jüdische Volk ersetzt und seinen Platz eingenommen hat.
Hört niemand bei der Ansprache des Papstes richtig zu oder sind diese Gedanken - inzwischen wieder? - so selbstverständlich, dass dazu öffentlich nichts zu hören ist?
Die vollständige Ansprache kann man sich hier anhören und ansehen.
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Formen des Gedenkens: Karfreitagsprozession
Eigentlich kennt man das aus katholischen Ländern - genauer gesagt aus Spanien: Karfreitagsprozessionen. Für Berlin war das was ganz Neues. Berlin ist von seiner Geschichte her mehr eine evangelische Stadt - heutzutage mehr säkular. Aber immer wieder ist es interessant, welche Einflüsse zum Tragen kommen. Zwei Mitarbeiter der evangelischen Kirchenleitung, beide noch nicht so lange in Berlin, aber vorher in traditionell katholisch geprägten Regionen zugange, kamen auf die Idee: Eine Karfreitagsprozession in Berlin.
Und sie fragten die katholische Kirche. Der kam das vermutlich ganz recht, denn in der letzten Zeit hatte man genug schlechte Presse: Die Mißbrauchsfälle am Canisiuskolleg, die von dessem Leiter öffentlich gemacht wurden. Und wenn man sich an das letzte Osterfest erinnert: Da gab es für die katholische Kirche viele Negativschlagzeilen wegen der geänderten Karfreitagsfürbitte. Und was bei der Planung noch niemand wissen konnte: Ein Priester aus dem Umfeld des Papstes würde am Karfreitag in seiner Predigt die Situation der Kirche nach der Öffentlichmachung der Mißbrauchsfälle mit der von verfolgten Juden zur Zeit des Nationalsozialismus vergleichen.
So fand also vorgestern in evangelisch-katholischer Zusammenarbeit die erste Berliner Karfreitagsprozession statt - und zwar mit erstaunlicher Resonanz. 2500 Menschen waren gekommen.
An sieben Innenstadtkirchen wurde Halt gemacht und folgende Themen in den Blick genommen:
Berliner Dom: 10 Uhr Gottesdienst, 11 Uhr Beginn der Prozession. Lesung und Predigt: Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein St. Marien: Erinnerung an Glaubens-Martyrien. Lesung: Pfarrer Johannes Krug St. Nikolai: Erinnerung an Menschen, die aufgrund einer Entscheidung ihres Gewissens vertrieben wurden. Lesung: Bischof Markus Dröge Ruine der Petrikirche: Erinnerung an Krieg und Zerstörung. Lesung: Pfarrer Gregor Hohberg Friedrichswerdersche Kirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihrer sozialen oder sexuellen Identität fliehen mussten. Lesung: Pfarrer Stephan Frielinghaus Französische Friedrichstadtkirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Lesung: Pfarrer Matthias Loerbroks St. Hedwigskathedrale / Bebelplatz: Erinnerung an die Bücherverbrennung im Jahr 1933 so die Presse-Erklärung der Kirchen. Die Marienkirche ist die evangelische Bischofskirche. Auf dem Neuen Markt, der vor der Marienkirche lag, wurden vor 500 Jahren 37 Juden auf einem Scheiterhaufen verbrannt. (Drei weitere wurden "nur" enthauptet und bekamen diese mildere Strafe, weil sie sich der Taufe unterzogen haben.) Man hatte allen unter Folter Geständnisse abgepreßt, daß sie Hostiendiebstahl und Hostienschändung betrieben hätten. Der Täter war bekannt, aber die Juden sollten als Sündenbock herhalten.
Dieses Ereignis und das Gedenken daran ist gemeint, wenn von "Erinnerung an Glaubens-Martyrien" die Rede ist. Ich finde diese Formulierung mißverständlich, denn normalerweise spricht die christliche Kirche von "Martyrien", wenn Christen um ihres Glaubens verfolgt und getötet werden. Hier geht es aber um aktive Täterschaft. Abgesehen davon vermute ich, daß die meisten Zeitgenossen nichts mit dem Begriff "Glaubens-Martyrien" anfangen können. Außerdem war es bei den christlichen Martyrern so, daß ihnen die Strafe erspart wurde, wenn sie ihrem christlichen Glauben abschworen und den "richtigen Glauben" (wieder) annahmen. Den Juden nutzte ihre Hinwendung zum Christentum durch Taufe nichts, außer dass ihre Strafe gemildert wurde.
Dennoch ist es ein wichtiger Schritt, wenn sich die Kirche am Karfreitag diesem dunklen Punkt in ihrer Geschichte stellt. Ein ausführlicherer Artikel ist im Rheinischen Merkur nachzulesen.
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