Webring: Blogs von Juden in Deutschland
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Antijudaismus in der Osteransprache (Urbi et Orbi) des Papstes
Mich wundert es, daß noch nichts in den Medien darüber kam. Durch das antjudaismusfrei-Blog bin ich darauf aufmerksam geworden. Jedes Jahr am Ostersonntagvormittag wird vom Petersplatz in Rom der Segen des Papstes (Urbi et Orbi) in alle Welt übertragen. Man kennt das aus den Nachrichten, wenn dann am Schluß die Osterwünsche des Papstes in allen möglichen Sprachen erklingen.
Am Beginn seiner diesjährigen Osteransprache ging er auf die Exoduserfahrung "der Hebräer" ein. Nach einer längeren Zwischenpassage hieß es dann:
... die Kirche ist das Volk des Auszugs, das Volk des Exodus, da sie ständig das Ostergeheimnis lebt ... Das ist Substitutionstheologie pur, von der es eigentlich hieß, die Kirche habe sie überwunden. Damit ist gemeint, daß die Kirche jahrhundertelang - und offensichtlich wieder - für sich in Anspruch nahm (und nimmt?), daß sie das jüdische Volk ersetzt und seinen Platz eingenommen hat.
Hört niemand bei der Ansprache des Papstes richtig zu oder sind diese Gedanken - inzwischen wieder? - so selbstverständlich, dass dazu öffentlich nichts zu hören ist?
Die vollständige Ansprache kann man sich hier anhören und ansehen.
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Formen des Gedenkens: Karfreitagsprozession
Eigentlich kennt man das aus katholischen Ländern - genauer gesagt aus Spanien: Karfreitagsprozessionen. Für Berlin war das was ganz Neues. Berlin ist von seiner Geschichte her mehr eine evangelische Stadt - heutzutage mehr säkular. Aber immer wieder ist es interessant, welche Einflüsse zum Tragen kommen. Zwei Mitarbeiter der evangelischen Kirchenleitung, beide noch nicht so lange in Berlin, aber vorher in traditionell katholisch geprägten Regionen zugange, kamen auf die Idee: Eine Karfreitagsprozession in Berlin.
Und sie fragten die katholische Kirche. Der kam das vermutlich ganz recht, denn in der letzten Zeit hatte man genug schlechte Presse: Die Mißbrauchsfälle am Canisiuskolleg, die von dessem Leiter öffentlich gemacht wurden. Und wenn man sich an das letzte Osterfest erinnert: Da gab es für die katholische Kirche viele Negativschlagzeilen wegen der geänderten Karfreitagsfürbitte. Und was bei der Planung noch niemand wissen konnte: Ein Priester aus dem Umfeld des Papstes würde am Karfreitag in seiner Predigt die Situation der Kirche nach der Öffentlichmachung der Mißbrauchsfälle mit der von verfolgten Juden zur Zeit des Nationalsozialismus vergleichen.
So fand also vorgestern in evangelisch-katholischer Zusammenarbeit die erste Berliner Karfreitagsprozession statt - und zwar mit erstaunlicher Resonanz. 2500 Menschen waren gekommen.
An sieben Innenstadtkirchen wurde Halt gemacht und folgende Themen in den Blick genommen:
Berliner Dom: 10 Uhr Gottesdienst, 11 Uhr Beginn der Prozession. Lesung und Predigt: Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein St. Marien: Erinnerung an Glaubens-Martyrien. Lesung: Pfarrer Johannes Krug St. Nikolai: Erinnerung an Menschen, die aufgrund einer Entscheidung ihres Gewissens vertrieben wurden. Lesung: Bischof Markus Dröge Ruine der Petrikirche: Erinnerung an Krieg und Zerstörung. Lesung: Pfarrer Gregor Hohberg Friedrichswerdersche Kirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihrer sozialen oder sexuellen Identität fliehen mussten. Lesung: Pfarrer Stephan Frielinghaus Französische Friedrichstadtkirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Lesung: Pfarrer Matthias Loerbroks St. Hedwigskathedrale / Bebelplatz: Erinnerung an die Bücherverbrennung im Jahr 1933 so die Presse-Erklärung der Kirchen. Die Marienkirche ist die evangelische Bischofskirche. Auf dem Neuen Markt, der vor der Marienkirche lag, wurden vor 500 Jahren 37 Juden auf einem Scheiterhaufen verbrannt. (Drei weitere wurden "nur" enthauptet und bekamen diese mildere Strafe, weil sie sich der Taufe unterzogen haben.) Man hatte allen unter Folter Geständnisse abgepreßt, daß sie Hostiendiebstahl und Hostienschändung betrieben hätten. Der Täter war bekannt, aber die Juden sollten als Sündenbock herhalten.
Dieses Ereignis und das Gedenken daran ist gemeint, wenn von "Erinnerung an Glaubens-Martyrien" die Rede ist. Ich finde diese Formulierung mißverständlich, denn normalerweise spricht die christliche Kirche von "Martyrien", wenn Christen um ihres Glaubens verfolgt und getötet werden. Hier geht es aber um aktive Täterschaft. Abgesehen davon vermute ich, daß die meisten Zeitgenossen nichts mit dem Begriff "Glaubens-Martyrien" anfangen können. Außerdem war es bei den christlichen Martyrern so, daß ihnen die Strafe erspart wurde, wenn sie ihrem christlichen Glauben abschworen und den "richtigen Glauben" (wieder) annahmen. Den Juden nutzte ihre Hinwendung zum Christentum durch Taufe nichts, außer dass ihre Strafe gemildert wurde.
Dennoch ist es ein wichtiger Schritt, wenn sich die Kirche am Karfreitag diesem dunklen Punkt in ihrer Geschichte stellt. Ein ausführlicherer Artikel ist im Rheinischen Merkur nachzulesen.
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Provenienzforschung und die Folgen für die Naziraubkunst
Seit 1998 die Washingtoner Erklärung unterzeichnet wurde, hat die Provenienzforschung einen enormen Auftrieb bekommen. Sie widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung der Herkunft (Provenienz) und der wechselnden Besitzerverhältnisse eines Kunstwerks, Kultur- oder Archivguts in Museen, Bibliotheken, Archiven, aber auch im Kunst- und Antiquitätenhandel.
In der taz vom 24.3.2010 ist unter dem Titel "Kirchner macht's möglich" nachzulesen, welche Auswirkungen das auf die Berliner Museumslandschaft hat.
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Radio Mikwe ...
ist ein Projekt des jüdischen Museums in Hohenems, das diese Woche täglich von 9.00 bis 19.45 läuft. Man kann sich unterschiedliche Magazinbeiträge zwischen 5 Minuten und 20 Minuten anhören: Interviews, Literatur, Musikalisches ... mehr dazu hier.
Die Beiträge sind von sehr unterschiedlicher inhaltlicher Qualität. Nicht alle "gelehrten Gespräche" verdienen dieses Prädikat. Insgesamt fällt auf: Anscheinend haben nur orthodoxe oder amerikanisch bzw. amerikanisch geprägte Jewish-Renewal-Frauen ein positives Verhältnis zur Mikwe. Die anderen, die zu Wort kommen (sich als säkular, nicht-religiös oder traditionell definierenden) deutsch sprechenden sind ambivalent. In Berlin gab es jahrelang eine Frauengruppe, die die Mikwe Oranienburger Strasse betreut hat, was aber nicht zur Sprache kommt. Eine verpaßte Chance. Schade!
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Verlorene Maßstäbe ...
Unter dem Motto "verlorene Maßstäbe" wurde gestern in der Französischen Friedrichsstadtkirche die diesjährige Woche der Brüderlichkeit eröffnet. Der Tagesspiegel berichtet darüber unter der Überschrift: "Werben für den Dialog". Wie jedes Jahr hat die Berliner Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit wieder ein umfangreiches Programmheft herausgebracht, das Veranstaltungen vorwiegend zu christlich-jüdischen Themen aber zunehmend auch muslimische Perspektiven beinhaltet und zwar bis weit in den Sommer hinein. . Es ist auch online abrufbar.
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