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Judentum und Islam im Jüdischen Museum

Die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam haben viele Berührungspunkte: Schriftkultur, Wissenschaft, Handel und Rechensystem. Auf dem Hintergrund dieser historischen Entwicklungen stellt die Führung aktuelle Bezüge her: Wie werden Synagogen und Moscheen im öffentlichen Raum wahrgenommen? Welchen Stellenwert haben Judentum und Islam in christlich geprägten Gesellschaften? Die Führung stellt nicht zuletzt die Frage nach dem Selbstverständnis religiöser Minderheiten im heutigen Deutschland
.
Der Ausschreibungstext hörte sich ver-heißungsvoll an. Ich war gespannt, was die muslimische Rundgangsleiterin daraus machen würde.

Begonnen wurde die Führung bei einer Torahrolle. Die sei handgeschrieben, aus dem Pergament eines koscheren Tieres. Welches Tier kommt dann nicht in Frage? Allgemeiner Reflex: "Das Schwein". Dass es auch noch andere Tiere gibt, die nicht koscher sind, ist nicht der Erwähnung wert. Die handgeschriebene Torahrolle gibt es auch in gedruckter Form. Das relativiert sie später etwas, aber klar wird nicht, wie sich das mit der Torahrolle und den Büchern, in denen die Texte vokalisiert sind, genau verhält. Jedenfalls ist der Text in der Rolle mangels Vokalisierung mehrdeutig. Und dem "Hassan bleibt dann nicht mehr viel Raum für Mehrdeutigkeit".

Mohammed stellt im Koran richtig, was in der Torah und der christlichen Bibel steht. Im Koran gibt es keine Chronologie. Die Suren sind nach der Länge geordnet. Mit welcher Sure dann Kinder oder Leute, die sich für den Islam interessieren, anfangen? Studium werde nur von besonders gelehrten
Leuten praktiziert. Der durchschnittliche Moslem lernt die Texte auswendig ohne sie zu verstehen. Sie werden beim öffentlichen Gebet auf Arabisch rezitiert. Bei den Juden ist das auch so, nur daß da die Gottesdienstsprache hebräisch ist.

Die Tinte, mit der die Torahrolle geschrieben wird besteht aus Galläpfel (richtig), Ruß und Honig. Das müßte dann eine ziemlich klebrige Angelegenheit sein.

Im Gottesdienst tragen Juden eine Kippa. Das haben sie aus der Zeit des babylonischen Exils, denn in Babylon trugen die Sklaven eine Kippa. Die Kippa bedeutet also, daß die Juden sich als Sklaven Gottes sehen. Auch den Schabbat haben die Juden von den Babyloniern übernommen so wie die Namen der Monate im hebräischen Kalender.

Die Gebetsrichtung der Juden ist nach Osten, nach Jerusalem. Auch die Muslime hatten anfangs die Gebetsrichtung nach Jerusalem. Jerusalem in Palästina - Pause - in Israel, damit hier nichts Falsches gesagt wird.

Neulich hat ein Besucher als er die Judensau sah gemeint: Das ist ja wie die Mohammed-Karrikaturen heute. Ob sie das vergleichbar findet und wenn ja, was dann der Vergleichspunkt sei. Sie weicht aus. Man könne alles vergleichen: Äpfel mit Birnen. Wie bequem, wenn man sich hinter einen Besucher und dessen Äußerungen verstecken kann.

Sie zeigt die Gestaltung eines Betraumes in Süddeutschland. Dort ist ein weißer Elefant zu sehen. Sie erzählt von den weißen Elefanten, der Karl dem Großen von einem Kalifen geschenkt wurde und der von einem jüdischen Kaufmann überbracht wurde. Deshalb sei der weiße Elefant ein Symbol für den Trialog.

Wir sehen Fotos von einigen muslimischen Gebetsräumen und erfahren, daß die Synagoge in der Oranienburger Straße, die 1866 eröffnet wurde, die letzte Synagoge in maurischem Stil war. Wegen des aufkommenden Antisemitismus hätten Juden das danach nicht mehr gemacht. Von der Synagoge Fasanenstraße, eröffnet 1912, die maurisch gestaltet war, weiß sie nichts. Die Gestaltung der Oranienburger Straße war hier Vorbild gewesen.

Zum Abschluß werden wir zwischen dem geschmückten Weihnachtsbaum und der Vitrine mit den Chanukkiot plaziert. Chanukka sei kein religiöses Fest. Und vor dem Holocaust haben deutsche Juden, wenn sie nicht orthodox waren, auf dem Fenster den Chanukka-Leuchter und im Wohnzimmer den Weihnachtsbaum gehabt. In manchen türkischen Familien gibt es heute auch Weihnachtsbäume.

Ob die aufsteigende Zahl der Kerzen am Adventskalender etwas mit dem Chanukka-Leuchter zu tun hat, will eine Teilnehmerin wissen. Ja, weil die ersten Christen Juden waren. Die haben das übernommen. Ob die ersten Christen überhaupt Advent gefeiert hätten, will eine andere Teilnehmerin wissen. Da wird sie unsicher und ergeht sich allgemein über die Nähe einzelner religiöser Traditionen. Kerzen finden alle schön, wenn es im Winter dunkel ist. Und beschneiden tun die Juden und die Muslime die männlichen Nachkommen: Die Juden am 8. Tag und die Muslime später um das nicht zu machen wie die Juden. Männer, die zum Islam übertreten, die müssen sich auch beschneiden lassen. Und wie das bei Männern, die zum Judentum oder Islam konvertieren wollen und schon beschnitten sind sei, will jemand wissen. Was weg ist, kann man nicht nochmal wegmachen. Davon, daß es im Judentum dann ein Ersatzritual gibt, weiß sie nichts.

Sie erzählt, daß sie schon zwei Jahre im Museum sei und bei den Führungen jedes Mal so viel Neues lerne. Das kann ich von mir nach dieser Führung nicht sagen.

Fazit: Bald feiert das Jüdische Museum seinen 6. Geburtstag, und ich habe noch immer keine qualitativ gute Führung dort erlebt.

Zum Weiterlesen:
Ein Sofer beschreibt wie er die Tinte herstellt, die er zum Schreiben der Torah-Rolle benötigt (auf englisch).

Weitere Unsäglichkeiten aus dem Jüdischen Museum:
ChanukkamarktWeihnukka-Markt eröffnet.
Judith und das Wunder der Lichter - eine Chanukkageschichte, die zeigt, wie Antijudaismus immer noch funktioniert.
10.7.07 00:26
 



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