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Jüdisches Leben blüht wieder auf

An diesem Wochenende beginnen die jüdischen Kulturtage. Und im Gefolge dieser Veranstaltungsreihe kommt in schöner Regelmässigkeit - so auch dieses Jahr - die Berichterstattung über die jüdische Renaissance, die Wiederauferstehung des Judentums in Berlin oder wie heute in der Berliner Morgenpost: Jüdisches Leben blüht wieder auf. Unterüberschrift: Zuwanderer aus Osteuropa lassen die Jüdische Gemeinde in Berlin wachsen , was ersteinmal nur eine quantitative Aussage ist.

Vor der Nazi-Diktatur und dem Holocaust lebten allerdings 170 000 Juden in Berlin, gab es 34 Synagogen.

34? Da wäre es interessant zu wissen, wer wie gezählt hat um zu diesem Ergebnis zu kommen. Es gab 16 Gemeindesynagogen und zahlreiche Privatsynagogen. Wenn man die Gemeindesynagogen und die Privatsynagogen zusammenzählt, dann kommt man auf eine wesentlich höhere Zahl als 34.

"Wir haben mit dem orthodoxen Rabbiner Yitzhak Ehrenberg und dem liberalen Chaim Rozwaski zwei Gemeinderabbiner, die die jüdische Gemeinde offiziell vertreten, und fünf weitere Rabbiner in der Gemeinde", sagt Joffe.

Zu letzteren gehören Andreas Nachama von Sukkat Schalom, Walter Rothschild von der Union Progressiver Jüdinnen und Juden in Deutschland, Joshua Spinner von der Ronald-S.-Lauder-Foundation, Yehuda Teichtal von Chabad Lubawitsch und als einzige Frau, Gesa Ederberg, für das Masorti-Lehrhaus, eine konservative Ausrichtung des Judentum.

Auch das ist eine abenteuerliche Zählung. Rabbiner Joshua Spinner ist kein Gemeinderabbiner und Walter Rothschild auch nicht. Dieser ist ehrenamtlich in der Repräsentantenversammlung. Wenn man alle Rabbiner mitzählen würde, die in Berlin leben und im hiesigen jüdischen Leben auftauchen, dann käme man auf eine wesentlich höhere Zahl. Es gibt nämlich einige Rabbiner, die in Berlin leben, weil es hier die beste jüdische Infrastruktur gibt und die zu ihren jeweiligen Arbeitsorten pendeln, ob nun Walter Rothschild, der verschiedene Gemeinden betreut oder Daniel Alter in Oldenburg oder Salomon Almekias-Siegl, der Landesrabbiner von Sachsen ist. Nehmen wir noch die Rabbiner dazu, die am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam unterrichten jedoch in der Mehrzahl in Berlin leben und noch die, die für ein Jahr an einer der Berliner Unis befristet als "scholars in residence" Lehrverpflichtungen nachgehen, dann haben wir in Berlin eine ganz beträchtliche Rabbinerdichte. Dabei sind die Rabbiner von Chabad und von der Lauder Foundation noch nicht mitgezählt.

Da im Moment noch Semesterferien sind, ist Berlin derzeit rabbinisch etwas schwächer bestückt. Aber wenn das Semester dann wieder losgeht, dann können es schon um die dreißig Rabbiner sein, die in dieser Stadt mehr oder weniger zugange sind.

Schade nur, daß dieses rabbinische Potential, besonders das der Rabbiner, die befristet hier arbeiten, so wenig genutzt wird. Als das Masorti-Lehrhaus aktiver war als es derzeit ist, hat Rabbinerin Gesa Ederberg gelegentlich den einen oder anderen dieser Rabbiner zu Schiurim eingeladen. Damit fängt jetzt dann und wenn Kantorin Jalda Rebling im Rahmen der Ohel haChidusch-Aktivitäten an. Vor zwei Monaten lud sie zu einem sehr interessanten Schiur über Mosche ein, den ein orthodoxer Rabbiner aus New York gehalten hat. Der hatte gerade für ein Semester an der Humboldtuniversität eine Lehrverpflichtung an der juristischen Fakultät. Letzte Woche war eine Rabbinerin da und es ging um die hohen Feiertage. Ich war allerdings nicht da, weil die Ankündigung eher auf kabbalistische Aspekte abzielte und die interessieren mich nur mässig bis gar nicht.

Aber egal, wo man zum Lernen hingeht, die großen Zahlen sind es nirgends, die da zusammenkommen - mit Ausnahme von Chabad und einem Angebot von Lauder. Es läuft bei den anderen Lernaktivitäten, wenn es gut läuft, so auf zehn bis fünfzehn Anwesende hinaus. Die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland in seiner Qualität wird prägen, ob und in welchem Umfang gelernt wird oder nicht. Im nicht-orthodoxen Bereich schaut es auf längere Frist gesehen nicht gut aus, was das Lernen betrifft. Das war schon mal anders als Rabbiner Ady Assabi z'l' amtierte. Zu dessen Schiurim am Samstag war der kleine Gemeindesaal gut gefüllt.

Und warum wird im Morgenpost-Artikel Rabbiner Avraham Daus unterschlagen, der in der orthodoxen Adass Jisroel Gemeinde tätig ist? Er hat in den letzten Jahren ganz maßgeblich die Aktivitäten der sephardischen Juden mitgeprägt.

Der Morgenpost-Artikel ist hier.

Am Samstagabend findet die lange Nacht der Synagogen statt. Das Programm dazu ist hier. Das Gesamtprogramm der jüdischen Kulturtage ist hier .
31.8.07 08:49
 



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