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Familienmentsch...

Seit ein paar Wochen findet man in der jüdischen Medienlandschaft immer wieder Hinweise auf ein jüdisches Elternmagazin. Es wird wohlwollend ja oft geradezu euphorisch
aufgenommen. Und nun habe ich vor ein paar Tagen die erste Ausgabe erhalten.

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Brit Mila - alles, was Eltern über Beschneidung wissen müssen heißt das Schwerpunktthema. Na nu, war mein erster Gedanke, auch wenn sich mit der Beschneidung viele emotionale Reaktionen verbinden, so fehlt mir doch die weibliche Hälfte des Judentums. Und leider findet sich im ganzen Heft auch nichts dazu, außer einem kleinen Hinweis bei der Inhaltsangabe von einer Bücherseite über Namensbücher, die überschrieben ist mit "Sucht noch jemand einen Namen?".
Da heißt es beim letzten vorgestelltn Buch "... sowie eine kurze Beschreibung der Namenszeremonien für beide Geschlechter".

Dabei geht es ganz verheißungsvoll los. Der Familienmentsch ist für alle gedacht, die mit Kindern zu tun haben: Mütter, Väter,... Onkeln, Tanten, zukünftige Eltern und angeheiratete Mischpoche ...".

Auf der Titelthema-Seite gibt ein Artikel von Myriam Halberstam, die Brit Mila - Beschneidung - eine Gratwanderung der Tradition zwischen Moderne und Anachronismus, einen Überblick über unterschiedliche Positionen zur Beschneidung. Den Einstieg macht die Autorin mit einem praktischen Beispiel: In einem Hotel sind 130 Gäste anläßlich einer Brit zu einem "Welcome Brunch" eingeladen. Die eigentliche Zeremonie hat schon einige Zeit vorher im Wohnzimmer der Familie mit Mohel und Minjan stattgefunden. Die Mutter des Babys, selber Ärztin, wollte die öffentliche Feier und den rituellen Akt trennen, um den Streß für sich und das Baby zu verringern. Ein neuer Zugang und ein Argument, dem ich durchaus etwas abgewinnen kann. Diese Ärztin gibt dann drei Seiten medizinische Tipps zur "Operation Beschneidung". Ich denke, das sind Fragestellungen und Erfahrungen, die sowieso innerfamiliär, durch den Mohel / die Mohelet und medizinisches Fachpersonal weitergegeben werden. In einer Zeitschrift, die 19 Seiten für Inhalte zur Verfügung hat wenn man die Werbung abzieht, finde ich das unverhältnismäßig viel.

Schoscha Singer beschreibt auf einer Seite das worst-case-Szenario im Vorfeld einer Beschneidung: Eine emotionale Achterbahn, die man niemandem wünscht.

Marguerite Marcus, Kinderärztin und Familientherapeuten, stellt ihre Fragen und die sind etwas anders, denn ihre beiden beschnittenen Söhne sind inzwischen erwachsen. Wie ist das mit der Beschneidung und dem sexuellen Empfinden bei Männern? Da mußte man eher Männer fragen, die zum Judentum konvertiert sind, denn die haben den Vorher-Nachher-Vergleich. Interessant finde ich den Hinweis der Autorin auf die Körperpsychotherapie, die davon ausgeht, daß die Geburtserfahrung sehr viel schwerwiegender und traumatischer sei als die Erfahrung der Beschneidung. Und ganz interessant wird es am Schluß des Artikels als es um das Verhältnis Identität und Beschneidung geht und mögliche negative Reaktionen, die jüdische Jungen dann von nichtjüdischen Altersgenossen erfahren können. Am Schluß schreibt sie:

Heute, im Jahr 2007 in Berlin, müssen wir uns nicht verstecken, um zu überleben. Aber wir haben häufig die Überlebens-Lektion unserer Eltern und/oder Großeltern gelernt, dass wir unbewusst diese Gefühle weitergeben. Was ist der Ausweg aus diesem Problem? Eine positive jüdische Identität ... die in den Elternhäusern vorgelebt werden kann, wenn die Eltern dieses Phänomen erkennen und lernen sich vom Trauma zu lösen.

Und hier könnte es nicht nur aus familientherapeutischer Perspektive interessant werden, aber da ist der Artikel schon zu Ende.

Regelmässig ist auch das Portrait einer jüdischen Frau vorgesehen. In der ersten Ausgabe wird sehr anschaulich Masal Daus, die eine 14-köpfige Familie "managed". (An manchen Stellen hat das Lektorat etwas geschlampt) vorgestellt. Als Gegenpart ist in der zweiten Ausgabe Cynthia Barcomi dran, die vier Kinder großzieht und Betreiberin von zwei Cafes ist.

Gut gelungen sind die Rezensionen von drei Büchern für Kinder bzw. jüngere Jugendliche. Die Kinderseite von "Ben und Tali" ist allerdings nicht besonders orginell: Vier Paare eines jüdischen Memo-Spiels mit jüdischen Symbolen: Ein Bär trägt eine Torahrolle, eine Biene fliegt eine Menora an. Eine Robbe balanciert eine Mesusa und ein hasenähnliches Tier trägt einen Davidstern.

Am Beispiel der Unterrichtsgestaltung mit allen neuen technischen Möglichkeiten von Internet und einer interaktiven Tafel wird eine jüdische Schule in Neuseeland vorgestellt.

Außerdem wird noch ein Vater vorgestellt, der sich nach der Geburt seines 3. Sohnes entschlossen hat Mohel zu werden. Und einen kulturgeschichtlichen Schnelldurchlauf über die Rolle des Beschneidungsbestecks, illustriert mit einem Exponat aus dem jüdischen Museum, gibt es auch noch.

Einige Artikel hören genau da auf, wo ich denke: "Jetzt wird es eigentlich interessant". Man wird "angefüttert" und bleibt dann in der Luft hängen.

Aber mein Hauptkritikpunkt neben der Tatsache, daß nur Jungen und Beschneidung in den Blick genommen wurden und die Mädchen, für die in den letzten 30 Jahren neue Rituale unter unterschiedlichen Bezeichnungen (Namens-gebung, Brit Banot etc.) entwickelt wurden, außen vor bleiben ist ein anderer:

Nämlich das Familienbild jüdischer Familien, das hinter dieser Zeitschrift steht und das ich als unrealistisch sehe. Heutzutage sind viele Familien gemischte Familien, in denen die Eltern aus unterschiedlichen religiösen Traditionen kommen. Diese Realität ist überhaupt nicht im Blick der Herausgeberinnen. Natürlich ist die leichteste Form, Kindern eine jüdische Identität mitzugeben, wenn beide Elternteile jüdisch aufgewachsen sind, aber es ist nicht die einzig mögliche Form Judentum zu leben und weiterzugeben.

Vor mehr als zehn Jahren im Wahlkampf für die Repräsentantenversammlung meinte Moishe Waks, man müsse auch die Realität gemischter Familien in der jüdischen Gemeinde zu Berlin in den Blick bekommen und überlegen, welche Angebot für diese Gruppe wichtig wären. Moishe Waks wurde gewählt, wurde sogar stellvertretender Gemeindevorsitzender, aber passiert ist nichts: damals nicht und bis heute immer noch nicht. Die erste Ausgabe des Familienmentsch ist ein Spiegel davon.

Man möchte den Herausgeberinnen wünschen, daß sie ihren Kreis noch um jemanden erweitern, der in einer religiös gemischten Partnerschaft lebt.

Wer die beiden ersten Ausgaben des Magazins kostenlos testen will, kann das hier tun. In der nächsten Ausgabe soll es um die jüdische Kinderbetreuungslandschaft gehen.

Wer das Thema Beschneidung vertiefen will, dem sei die letzte Ausgabe des Golem zu ebendiesem Thema empfohlen. Das Inhaltsverzeichnis ist hier.
21.10.07 14:44
 



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