Webring:
Blogs von Juden in Deutschland

Vorheriger Blog Liste aller Blogs Zufälliger Blog Mitmachen! Nächster Blog


  Startseite
    Aktuelles
    Veranstaltungen
    koscher
    Judaica-Tassen
    Ausstellung
    Orte
    Konzerte
    Führungen
    Tagestipp
    Bücher
    Jüdisches Museum
    Persönlichkeiten
    Judenmission
    Fernsehen
    Presse
    Gedenken
    Meinung
  Über...
  Archiv
  koschere Restaurants
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   jüdisches Berlin
   Eventkalender
   Stadtführungen
   talmud.de
   Jüdische Gemeinde
   Jüdische Volkshochschule
   Lauder Lehrhaus
   Mikwe
   Bet Debora
   jüd Frauennetzwerk
   jüdische Friedhöfe
   Centrum Judaicum
   jung und jüdisch
   Jüdische Oberschule
   Jugendzentrum Olam
   Chabad Berlin
   sephardische Privatsynagoge
   Bamah Theater



Web Counter by www.webcounter.goweb.de
Web Counter by www.webcounter.goweb.de
Locations of visitors to this page

http://myblog.de/juedisches-berlin

Gratis bloggen bei
myblog.de





Formen des Gedenkens: Karfreitagsprozession

Eigentlich kennt man das aus katholischen Ländern - genauer gesagt aus Spanien: Karfreitagsprozessionen. Für Berlin war das was ganz Neues. Berlin ist von seiner Geschichte her mehr eine evangelische Stadt - heutzutage mehr säkular. Aber immer wieder ist es interessant, welche Einflüsse zum Tragen kommen. Zwei Mitarbeiter der evangelischen Kirchenleitung, beide noch nicht so lange in Berlin, aber vorher in traditionell katholisch geprägten Regionen zugange, kamen auf die Idee: Eine Karfreitagsprozession in Berlin.

Und sie fragten die katholische Kirche. Der kam das vermutlich ganz recht, denn in der letzten Zeit hatte man genug schlechte Presse: Die Mißbrauchsfälle am Canisiuskolleg, die von dessem Leiter öffentlich gemacht wurden. Und wenn man sich an das letzte Osterfest erinnert: Da gab es für die katholische Kirche viele Negativschlagzeilen wegen der geänderten Karfreitagsfürbitte. Und was bei der Planung noch niemand wissen konnte: Ein Priester aus dem Umfeld des Papstes würde am Karfreitag in seiner Predigt die Situation der Kirche nach der Öffentlichmachung der Mißbrauchsfälle mit der von verfolgten Juden zur Zeit des Nationalsozialismus vergleichen.

So fand also vorgestern in evangelisch-katholischer Zusammenarbeit die erste Berliner Karfreitagsprozession statt - und zwar mit erstaunlicher Resonanz. 2500 Menschen waren gekommen.

An sieben Innenstadtkirchen wurde Halt gemacht und folgende Themen in den Blick genommen:

Berliner Dom: 10 Uhr Gottesdienst, 11 Uhr Beginn der Prozession. Lesung und Predigt: Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein
St. Marien: Erinnerung an Glaubens-Martyrien. Lesung: Pfarrer Johannes Krug
St. Nikolai: Erinnerung an Menschen, die aufgrund einer Entscheidung ihres Gewissens vertrieben wurden. Lesung: Bischof Markus Dröge
Ruine der Petrikirche: Erinnerung an Krieg und Zerstörung. Lesung: Pfarrer Gregor Hohberg
Friedrichswerdersche Kirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihrer sozialen oder sexuellen Identität fliehen mussten. Lesung: Pfarrer Stephan Frielinghaus
Französische Friedrichstadtkirche: Erinnerung an Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Lesung: Pfarrer Matthias Loerbroks
St. Hedwigskathedrale / Bebelplatz: Erinnerung an die Bücherverbrennung im Jahr 1933

so die Presse-Erklärung der Kirchen. Die Marienkirche ist die evangelische Bischofskirche. Auf dem Neuen Markt, der vor der Marienkirche lag, wurden vor 500 Jahren 37 Juden auf einem Scheiterhaufen verbrannt. (Drei weitere wurden "nur" enthauptet und bekamen diese mildere Strafe, weil sie sich der Taufe unterzogen haben.) Man hatte allen unter Folter Geständnisse abgepreßt, daß sie Hostiendiebstahl und Hostienschändung betrieben hätten. Der Täter war bekannt, aber die Juden sollten als Sündenbock herhalten.

Dieses Ereignis und das Gedenken daran ist gemeint, wenn von "Erinnerung an Glaubens-Martyrien" die Rede ist. Ich finde diese Formulierung mißverständlich, denn normalerweise spricht die christliche Kirche von "Martyrien", wenn Christen um ihres Glaubens verfolgt und getötet werden. Hier geht es aber um aktive Täterschaft. Abgesehen davon vermute ich, daß die meisten Zeitgenossen nichts mit dem Begriff "Glaubens-Martyrien" anfangen können. Außerdem war es bei den christlichen Martyrern so, daß ihnen die Strafe erspart wurde, wenn sie ihrem christlichen Glauben abschworen und den "richtigen Glauben" (wieder) annahmen. Den Juden nutzte ihre Hinwendung zum Christentum durch Taufe nichts, außer dass ihre Strafe gemildert wurde.

Dennoch ist es ein wichtiger Schritt, wenn sich die Kirche am Karfreitag diesem dunklen Punkt in ihrer Geschichte stellt.
Ein ausführlicherer Artikel ist im Rheinischen Merkur nachzulesen.
4.4.10 23:19
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung