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Dementi

22. Mai 2004

Gestern kam die Presse-Erklärung der Veranstalterinnen von Ohel haChidusch. Dass sie ihr eigenes Unternehmen über den grünen Klee loben ist verständlich, aber ein bißchen mehr Bodenhaftung und Realismus und etwas weniger dick auftragen wäre auch ganz schön:

Vom 10.-13. Mai 2007 fand der erste Kongress von Ohel Hachidusch in Berlin statt, einer europäisch-jüdischen Initiative, die richtungs-übergreifend einen Weg in die Moderne sucht.

Als ich die Ankündigung einer "europäisch-jüdischen Initiative" las, stellt ich mir etwas anderes vor als Teilnehmende aus Berlin, Frankfurt, Hamburg, sowie eine Niederländerin. Wer an den Tagungen der Fraueninitiative Bet Debora in Berlin teilgenommen hat, ist ein anderes Teilnehmerspektrum gewöhnt. Da aber der Ohel haChidusch-Kongreß erst zwei Monate vorher im Internet angekündigt worden ist, Beschreibungen der Workshops überhaupt nicht eingestellt wurden, erstaunt diese etwas magere Resonanz nicht. Selbst die Referenten aus Amerika und Oslo (Workshop für Öko-Kaschrut) sowie das Grußwort einer Rabbinerin aus Amsterdam vermögen diesen schwachen Ersteindruck nicht zu verändern.

Die Veranstalterinnen ziehen folgendes Fazit:

Vom 10. bis 13. Mai 2007 fand dort der erste Kongress von Ohel Hachidusch statt, der unter dem Motto „Visionen – Erneuerung – Renewal“ stand. Gemeinsam mit Rabbi Marcia Prager und Chasan Jack Kessler von der amerikanischen Organisation ALEPH – der Alliance for Jewish Renewal – haben die Berliner Schauspielerin und Kantorin Jalda Rebling und die Künstlerin Anna Adam einen bedeutenden Schritt für das deutsche, beziehungsweise europäische Judentum gewagt.

Man darf also gespannt sein.

Trotz, und gerade aufgrund, der „eingefahrenen hierarchischen Strukturen“ in den deutschen Gemeinden, haben sie die Initiative ergriffen und einen Raum geschaffen, in dem alle Juden, die keinen Zugang mehr, oder noch keinen Zugang zu den bestehenden Gemeinden haben, ihren Platz finden können.

Das ging aber schnell. Vor zwei Wochen war das noch eine Absichtserklärung im Internet über das, was der Kongress vor hat, und nun eine Woche nach Kongreßende wird das per Presse-Erklärung schon als realisiert erklärt.

Sie bieten einen Ort für jüdische Visionen, für Kreativität, Diskussionen, Feste, Musik und Spiritualität. Kurz: einen Ort für IndividualistInnen.
.

Wo und wie das realisiert wird, sei es zeitlich oder örtlich oder personell, erfahren die Lesenden (noch) nicht. Und als IndividualistIN fühlt sich jede/r gerne.

Und jetzt kommt etwas zum Konzept:

Besonders in seiner Philosophie lehnt sich die richtungsübergreifende Initiative an die amerikanische Jewish Renewal Movement (die jüdische Erneuerungsbewegung) an. Ihr Weg zur Erneuerung im Judentum führt u.a. über eine zeitgemäße Exegese der jüdischen Schriften, sowie generell über neue Zugänge zur jüdischen Tradition, wobei auch Elemente der jüdischen Mystik und des Chassidismus eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Zusammenhang setzt die Erneuerungs-Bewegung vor allem den, dem Judentum immanenten, stetigen Prozess des Wandels fort, den Rabbiner Zalman Schachter-Shalomi, der Begründer der Renewal Movement, mit dem so genannten "Paradigm Shift" bezeichnet hat. Was jedoch in den USA natürlich gewachsen ist, muss in Europa – aufgrund des Holocausts – erst „aus dem Nichts“ erbaut werden, wie Jalda Rebling in ihrer Eröffnungsansprache erklärte. In diesem Zusammenhang stellte Rabbinerin Elisa Klapheck in einem Grußwort an Ohel Hachidusch zurecht die Frage, welcher Gestalt die jüdische Erneuerung in Europa sein kann, und was man aus den USA lernen kann. In einem waren sich sowohl die VeranstalterInnen wie auch die TeilnehmerInnen des Kongresses einig: Ziel und Zweck der jüdischen Erneuerung in Europa soll sein, Juden und Jüdinnen die Möglichkeit zur Rückkehr zum Judentum zu geben und die Freude im Judentum wiederzufinden. Schlicht „maximal Judaism“ erleben und leben, wie Rabbinerin Marcia Prager in ihrer Eröffnungssession erklärte...Ein Hauptmerkmal der Jewish Renewal Movement ist der „fully egalitarian way of Jewish life“, in dem vor allem Männer und Frauen völlige Gleichberechtigung erfahren und auch diejenigen in die Gemeinschaft aufgenommen werden, die am Rande des Judentums stehen (wie beispielsweise die so genannten „Vaterjuden“).


Das ist nun nicht spezifisch für Jewish Renewal. Das könnte man auch über Reformjudentum und über den Rekonstruktionismus schreiben.

Zum Kongress von Ohle Hachidusch haben sich Menschen aus Deutschland, Holland, Norwegen, den USA und anderen Orten zusammengefunden.

Aus welchen anderen Orten? Die hätte ich gern kennengelernt. Bei der Vorstellungsrunde waren nur die hier aufgezählten vertreten. Bei den öffentlichen Gottesdiensten war ein größerer Teilnehmerkreis anwesend, vor allem Beter aus dem Umfeld der Oranienburgerstraße - also Leute, die in Berlin leben.

So unterschiedlich die Lebensgeschichten der einzelnen TeilnehmerInnen auch waren, eines hatten sie gemeinsam: Bei Ohel Hachidusch haben sie Dinge gefunden, die sie im Judentum oder in ihren Gemeinden immer vermisst haben
. Das möchte ich ganz energisch dementieren, zumindest für mich, und auch von mindestens fünf anderen Teilnehmenden weiß ich, daß sie auf diesem Kongreß nichts anderes vorfanden als sie schon zu anderen Gelegenheiten an anderen Orten kennengelernt hatten. Da war (noch) nichts qualitativ Neues. Und deshalb habe ich meiner ersten Beschreibung keinen weiteren Eintrag über Ohel haChidusch hinzugefügt.

Im letzten Abschnitt der Presse-Erklärung wird noch auf die skeptischen Stimmen eingegangen:
Dennoch gab es auch skeptische Stimmen: Fragen wie „Was soll in einer undefinierten Umgebung erneuert werden“ oder „Wie soll Ohel Hachidusch langfristig tragfähig sein“ wurden zu Recht gestellt. Nichtsdestotrotz hat Ohel Hachidusch ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass das Judentum von seinen Menschen getragen und erhalten wird, dass man in Integrität miteinander leben und arbeiten muss, um zukünftig ein erneuertes Judentum in Europa etablieren zu können. So schrieb Rabbinerin Elisa Klapheck in ihrem Brief an die Initiative: „Es ist mein Traum, dass von Berlin die jüdische Erneuerung ausgeht.“

Große Worte! Warten wir ab, was im Alltag daraus werden wird. Bei soviel Enthusiasmus möchte man den Veranstalterinnen wünschen, daß sie im Alltag Schritte zur Realisierung ihrer Vision finden mögen.

Ohel haChidusch (2)
22.5.07 00:11
 



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