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keine Ahnung ... aber davon sehr viel

Heute lud die Konrad-Adenauer-Stiftung zu einem Vortrag über jüdisches Leben in der DDR mit Ruth Lapide als Referentin ein.

Zwischen 40 und 50 Interessierte waren gekommen, darunter auch zwei Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Ostberlin und auch einige andere Ex-DDR-Bürger.

Von Frau Lapide hatte ich schon öfter gehört, besonders im Zusammenhang mit christlich-jüdischem Dialog. Sie hat in Jerusalem Linguistik, Geschichte und Judaistik studiert, wobei ihr Schwerpunkt die Entstehung des Christentums innerhalb des Judentums war. Mich hatte deshalb gewundert, daß Frau Lapide, die in Frankfurt / Main wohnt und nie in der DDR gelebt hat als Referentin eingeladen wurde, gibt es doch in der Stadt noch reichlich Leute, die auskunftsfähig sind und als Juden in der DDR gelebt haben.

In den 1 1/4 Stunden, die sie referierte, ging es gerade zwanzig Minuten - und das auch nur am Rande - über jüdisches Leben in der DDR - besser gesagt über das, was sie dafür hielt.

Eine tour d' horizon führte uns vom babylonischen Exil bis heute, wobei mir immer noch nicht deutlich ist, was nun die Tatsache, daß es 22 arabische Staaten gibt, während des 1. Weltkriegs eine Judenzählung stattfand, die Briten DP-Lager in Mauritius hatten mit dem eigentlichen Thema des Abends zu tun hatte. Die Verknüpfungen zu jüdischem Leben in der DDR waren teilweise sehr abenteuerlich.

So erzählte Frau Lapide beispielsweise, daß die "DDR Fleischfabriken in der hintersten Mongolei betrieben hat. Aber die jüdischen Zentren im eigenen Land wie etwa Leipzig und Breslau (!!!) blieben verwaist". Die paar Bruchstücke, die sie lieferte, standen in keinem sinnvollen Zusammenhang. "Menschen haben sich für den jüdischen Friedhof in Weissensee eingesetzt. Dort ganz in der Nähe war Rosenthal - den kennen Sie alle, gell - versteckt." Hinter mir stöhnte es wieder mal auf: "Det war janz schön weit weg - die Laube war in Lichtenberg".

Sie erzählte, daß der Kantor Estrongo Nachama, der regelmäßig nach Ostberlin kam, in die Synagoge Rykestraße koschere Fleischwaren aus Westberlin mitbrachte.

Dazwischen gab es dann und wann ein Anekdötchen aus dem Talmud. Einigkeit versuchte Sie immer wieder mit einem "gell, verstehen wir uns" herzustellen. Kurz vor Schluß ihrer Ausführungen ließ die Referentin wissen, daß sie erstmals nach dem Mauerfall das Gebiet der ehemaligen DDR kennengelernt hat.

Als Ruth Lapide dann ihren Vortrag beendet hatte und die Runde für Fragen und Anmerkungen geöffnet wurde, wurde es sehr lebhaft. Eine Frau, die von Kind auf in der jüdischen Gemeinde Ostberlin gelebt hatte, drückte ihr Erstaunen über das aus, was zu hören gewesen war: "Mit dem jüdischen Leben, das ich in der DDR erlebt habe, hatte das, was hier heute darüber erzählt wurde, nichts aber auch gar nichts zu tun."

Eine andere Zuhörerin sagte sinngemäß: "Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis etwa dreißig Leute, die als Juden in der DDR gelebt haben. Einige waren sehr angepaßt ans System andere nicht. Was ich von ihnen über jüdisches Leben in der DDR erfahren habe, ist ganz anders als das, was Frau Lapide hier vorgetragen hat. Ich möchte das an einem Beispiel deutlich machen: Frau Lapide erzählt, Estrongo Nachama habe körbeweise koschere Wurst- und Fleischwaren in die Synagoge Rykestraße mitgebracht. Das war völlig unnötig. In Ostberlin ist alle vierzehn Tage geschächtet worden. Es gab eine koschere Fleischerei."

Frau Lapide meinte daraufhin: "Wollen Sie mir etwa erzählen, daß es in Ostberlin koscheres Fleisch gab? Ich halte es nicht für möglich, daß in der DDR geschächtet wurde".

Die jüdische Frau aus Ostberlin bestätigte: "Die Ostberliner Gemeinde konnte Kantor Nachama nicht bezahlen. Deshalb hat er koschere Wurst und Fleisch bekommen, was in Westberlin sehr begehrt war."

Die Zuhörerin fährt fort: "Ich wollte mit diesem Beispiel nur exemplarisch darstellen, was uns heute abend inhaltlich zugemutet wurde.

Frau Lapide will nun von der Zuhörerin wissen: "Essen Sie koscher. Wissen Sie überhaupt, was koscher ist?"

"Frau Lapide" antwortet die Zuhörerin "Ich weiß, was koscher ist und was nicht. Ob ich koscher esse oder nicht, das ist für die Frage, ob es in Ostberlin koscheres Fleisch gab oder nicht, nicht wichtig".

"Doch natürlich" meint Frau Lapide "denn wenn Sie nicht wissen, was koscher ist ...".

"Frau Lapide, es geht nicht um mein Wissen über Kaschrut. Sie sind hier als Historikerin eingeführt worden. Und es gibt Dokumente über diese Dinge, die Sie einsehen können. Ich diskutiere hier nicht darüber, ob Sie das für möglich oder wahrscheinlich halten oder nicht. Ich habe bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und bei der Jakob-Kaiser-Stiftung Tagungen über jüdisches Leben in der DDR mitgemacht, die sehr informativ waren. Ich finde es schade, daß die Konrad-Adenauer-Stiftung bei diesen Standards nicht mithalten kann. Und von Ihnen, die keine Ahnung über dieses Thema hat, finde ich es schon chuzpedik dazu hier als Referentin aufzutreten."

"Sie sind ja krank - Sie brauchen eine psychiatrische Behandlung" ließ Frau Lapide ihre Kritikerin wissen.

Die Leiterin vom Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung versuchte dann noch einen halbherzigen Rettungsversuch: Es habe leider einige Krankheitsfälle in den letzten Wochen gegeben. Anscheinend sei das Thema Frau Lapide wohl nicht richtig kommuniziert worden.

So kann man es auch sagen.
7.11.07 00:31
 



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