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Vaterjuden - Kinder jüdischer Väter

5. Januar 2007

Vaterjuden nennt sich ein Weblog, das ein Promotionsvorhaben vorstellt. In den letzten Jahren hat sich dieser Begriff eingebürgert, für Menschen, deren Vater jüdisch und deren Mutter nicht-jüdisch ist. Sie gelten in der jüdischen Gemeinschaft nicht als Juden, weil die Halacha (jüdisches Religionsgesetz) festlegt, daß Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder zum Judentum konvertiert ist.

Auch wenn die Familie jüdisch lebt und die Kinder jüdisch aufwachsen und sich selber als jüdisch wahrnehmen, so erfahren sie früher oder später in der jüdischen Gemeinschaft, daß sie nicht dazu gehören und werden mehr oder weniger massiv diskriminiert und ausgegrenzt.

Eine Ausnahme gibt es: In den USA werden Kinder jüdischer Väter in Reformgemeinden als Juden anerkannt, aber nicht automatisch, sondern nur, wenn sie jüdisch erzogen sind. Das wird an den "Lifecycle-Events" festgemacht (Beschneidung / Namensgebung = babynaming, Bar oder Bat Mizwa) und am Aktivsein in der Synagoge (Religionsschule, Jugendgruppe etc.). Also samstags in die Synagoge und sonntags in die Kirche zum Gottesdienst geht nicht.

Mitte der 80iger Jahre haben sich Kinder jüdischer Väter mal in Arnoldshain getroffen. Auf der letzten Seite der Allgemeinen jüdischen Wochenzeitung ätzte damals ein Kommentator unter der Überschrift: "Hilfe - die Bastarde kommen". Weil ich das dermaßen menschenverachtend fand, ist es mir wohl in Erinnerung geblieben. Und als die Jüdische Allgemeine vor einigen Wochen auf dieses Promotionsvorhaben hinwies, da dachte ich mir: "Ach da schau her - so geht's also auch". Aber man soll ja niemand seine Lernfähigkeit oder Lernwilligkeit absprechen.

Wie Kinder jüdischer Väter in der jüdischen Gemeinde zu Berlin nach 1945 behandelt wurden beschreibt Jessica Jacoby hier.

Ab Mitte der 1990iger Jahre gab es in Berlin einen "egalitären Minjan", der sich alle drei Wochen am Schabbat traf. Dort wurden Kinder jüdischer Väter gleichberechtigt als Juden behandelt und folglich auch mitgezählt zum Minjan. Von der Gemeinde wurde dieser Kreis etwas skeptisch beäugt, aber nicht nur wegen des Umgangs mit den Kindern jüdischer Väter, sondern auch deshalb, weil überproportional - im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil - viele Schwule und Lesben sowie auch Leute die in gemischt-religiösen Partnerschaften lebten, sich in dieser Gruppe engagiert haben. Ab 1995 wurde dann sogar von der Gemeinde ein Raum für diese Gruppe zur Verfügung gestellt. Und die Synagoge in der Oranienburger Strasse gäbe es ohne das Engagement dieser Gruppe heute nicht.

In den letzten Jahren ist die Frage nach dem Umgang mit Kindern jüdischer Väter durch die Zuwanderung von Juden aus der Sowjetunion nochmal in größerem Ausmaß aktuell geworden. Denn in der Sowjetunion galt jüdisch sein als Nationalität: Russisch, ukrainisch, kirgisisch, lettisch aber auch jüdisch u.v.a. galten als Nationalitäten. Und da war bei gemischten Partnerschaften nicht die Frage, ob der Vater oder die Mutter jüdisch waren. Meist ging es dann nach dem Vater. Und wenn jemand Abramovoich oder Salomonishvili hieß, dann wurde er als Jude diskriminiert, durfte unter Umständen nicht studieren und muss sich dann nach der Einwanderung in Deutschland in der jüdischen Gemeinde sagen lassen, daß er nicht als Jude gilt. Das ist für die Betroffenen sehr frustrierend und wird oft als entwürdigend erlebt.

In der Gemeindezeitung "jüdisches Berlin" war diesen Monat eine Notiz, daß nur wer jüdische Kinder hat in den Vorstand der Repräsentantenversammlung (Leitungsgremium der jüdischen Gemeinde) gewählt werden kann. Ich mußte erst einen Moment nachdenken, bis ich drauf kam, was diese etwas verquere Formulierung bedeutet und warum das so merkwürdig ausgedrückt ist.

Heißt im Klartext: Juden, die mit einer nicht-jüdischen Frau verheiratet sind und Kinder haben, sind nicht wählbar. Gemeindemitglieder können sie werden und natürlich entsprechend Gemeindesteuern zahlen. Ihre Kinder dürfen übrigens auch nicht auf die Machanot (Ferienlager) der jüdischen Gemeinde bzw. der ZWST (Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) mitfahren. Ich kenne einige Juden, die aus diesem Grund ihre Gemeindemitgliedschaft beendet haben.

In Amerika ist vielen Verantwortlichen klar, welches Potential man verliert, wenn man die Kinder jüdischer Väter (Vaterjuden) so ausgrenzt und man sucht nach Wegen des Umgangs mit dieser Frage, die sehr unterschiedlich aussehen können.

Bei der vorletzten oder vorvorletzten Wahl zur Repräsentantenversammlung - ich weiß es schon gar nicht mehr genau - kandidierte Moishe Waks (schreibt er sich so? - jedenfalls einer, der seit langem zum jüdischen Establishment hier gehört) und benannte als eines seiner Ziele, daß die Gemeinde auch Angebote für gemischt-religiöse Familien entwickeln müsse. Er wurde gewählt, aber weder in seiner Legislaturperiode noch später ist in dieser Hinsicht was passiert.

Die Gruppe "jung und jüdisch" - sie sind die Jugend von der Union progressiver Juden - machen auf ihrer Website deutlich, daß bei ihnen Kinder jüdischer Väter willkommen sind und dass sie es als erstrebenswert halten, wenn langfristig gesehen auch Kinder jüdischer Väter als Juden anerkannt werden, die ja bis jetzt konvertieren also zum Judentum übertreten müssen, wenn sie von jüdischer Seite akzeptiert werden wollen.

Außerdem gab es immer Gruppen, die sich dem liberalen Judentum nahestehend fühlten und bei denen Kinder jüdischer Väter gleichberechtigt als Juden anerkannt und behandelt wurden: Der schwul-lesbische Schabbeskreis, der von Jessica Jacoby gegründet wurde, die Rosch-Chodesch-Gruppe (gibt es auch schon lange nicht mehr), Jachad - eine Gruppe für jüdische Schwule, Lesben und Transsexuelle (gibt es seit einiger Zeit nicht mehr) oder auch die Künstler- und Intellektuellengruppe "Meshulash". Die erste Ausgabe des von Meshulash herausgegebenen europäisch-jüdischen Magazins "Golem" widmete sich sogar dem Thema "jüdische Identität und in der zweiten Ausgabe zum Thema "jüdische Familie" gab es eine Kurzgeschichte "Namen" von Vladimir Vertlib über reale und erfundene jüdische Identitäten. . Wenn ich noch länger nachdenke, fallen mir sicher noch mehr liberale Gruppen ein, die offen für Vaterjuden waren. Und in säkularen Gruppen wie den jüdischen Kulturverein oder dem jüdischen runden Tisch war das nie eine Frage.

Nun schreibt also eine Frau eine Doktorarbeit zu diesem Thema und sucht Interviewpartner über das oben genannte Weblog "Vaterjuden". Aber ein Weblog ist es nicht, denn wir erfahren nichts über ihren Zugang oder ihre Motivation und wie sie mit dem Projekt weiterkommt oder wie sich ihre Wahrnehmung verändert. Das fände ich schon sehr interessant.

Hier noch ein Erfahrungsbericht für diejenigen, die englisch lesen:
Growing up in Post War Germany with a Jewish Father.

Er macht die Position zwischen allen Stühlen sehr eindrücklich nachvollziehbar.
5.1.07 12:37
 



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